Chirurgischer Zahnerhalt durch präzise Wurzelspitzenresektion
Die Wurzelspitzenresektion stellt den letzten chirurgischen Versuch des Zahnerhalts bei bereits Wurzelkanalbehandelten Zähnen dar. Die Therapie besteht in der Entfernung der Wurzelspitze und des umgebenden entzündeten Gewebes. Wir als Chirurgen können dies zuverlässig durchführen und durch das anschließende Röntgenbild belegen. Der Grundstein für den langfristigen Erfolg der Behandlung wird aber bereits durch die Vorbehandlung gelegt, weswegen sich ein genauerer Blick auf die Problematik lohnt.
Ursachen für erneute Entzündungen nach Wurzelkanalbehandlung
Sind nach durchgeführter Wurzelkanalbehandlung beim Hauszahnarzt Keime im Wurzelkanalsystem verblieben, können diese auch nach vielen Jahren wieder eine Entzündung und Beschwerden verursachen. Beschränkt sich dies auf die Wurzelspitzen, kann deren Entfernung zum Erfolg führen. Ist jedoch der Wurzelkanal nicht vollständig desinfiziert und/oder gefüllt, wird die Problematik trotz Entfernung der Wurzelspitze bestehen bleiben.
Chirurgische Maßnahmen und ihre Grenzen
Wir können die Erfolgschancen durch die Abdichtung der Wurzelkanäle, nach erfolgter Entfernung der Wurzelspitzen, erhöhen. Konnten Wurzelkanäle durch den Zahn hindurch gar nicht desinfiziert und adäquat abgedichtet werden, wird die Entfernung der Wurzelspitze langfristig nicht zum Erfolg führen. Medizinisch ist daher in diesen Fällen zunächst das Aufsuchen eines spezialisierten Kollegen für Wurzelkanalbehandlungen sinnvoll.
Endodontie als Alternative zur Chirurgie
Die entsprechende Fachdisziplin nennt sich Endodontie und dort kann in vielen Fällen durch die Revision der Wurzelkanalbehandlung eine vollständige Desinfektion des Zahninneren mithilfe eines Mikroskops und ohne chirurgische Maßnahmen durchgeführt werden. Die Methode erfordert einen hohen Spezialisierungsgrad und ist sowohl technik- als auch zeitintensiv.
Kosten und wichtige Hinweise vor der Behandlung
Die Kosten sind durch die gesetzliche Krankenversicherung nicht gedeckt und bewegen sich je nach Aufwand im mittleren drei- bis niedrigen vierstelligen Kostenrahmen. Wurde die Wurzelspitze bereits entfernt, ist diese Behandlungsmethode in der Regel nicht mehr möglich.
Empfehlung: Beratung beim Hauszahnarzt einholen
Bitte sprechen Sie Ihren Hauszahnarzt vor Ihrem Termin bei uns auf diese Möglichkeit an und holen Sie sich im Vorfeld die Meinung eines entsprechend spezialisierten Kollegen ein.
FAQ - Häufig gestellte Fragen und ihre Antworten über Wurzelspitzenresektion
Der Zahnnerv ist doch bereits entfernt, wie kann es trotzdem noch wehtun?
Der Zahnnerv des Zahnes kann weder Schmerzen, noch andere Reize (heiß/kalt, süß/sauer etc) vermitteln. Die Schmerzen entstehen im entzündeten Zahnhalteapparat an der Wurzelspitze. Entzündetes Gewebe schwillt üblicherweise an, was aber durch den Kieferknochen begrenzt ist. Typisch ist auch ein Aufbissschmerz, da der Zahn bei Druck minimal ins Zahnfach und damit auf das Entzündungsgewebe gedrückt wird. Häufig berichten die Patienten auch davon, dass sich der betroffene Zahn höher anfühlt.
Wird eine Wurzelspitzenresektion von der Krankenkassen übernommen?
Die Wurzelspitzenresektion ist in der gesetzlichen und privaten Krankenkasse eine Standardleistung. Durch die Abdichtung der Wurzelkanäle nach erfolgter Entfernung der Wurzelspitzen, lässt sich die Erfolgsrate der Behandlung erhöhen. Diese Methode ist jedoch weder in der gesetzlichen noch in der privatzahnärztlichen Gebührenordnung in Deutschland beschrieben und wird daher analog berechnet.
Ich habe keine Schmerzen mehr, sollte ich den Zahn dennoch behandeln lassen?
Je nach Immunlage kann eine akute Entzündung in eine chronische Entzündung übergehen, aber auch wieder in eine akute Phase übergehen. Häufig lässt sich das durchblutete Entzündungsgewebe um die Wurzelspitze durch die Einnahme von Antibiotika in den chronischen Zustand überführen. Da das Zahninnere, von woraus die Bakterien austreten, nicht mehr mit Blutkreislauf verbunden und somit gelangt kein Antibiotikum ins Innere des Zahnes. Ist kein Antibiotikum mehr im Gewebe, beginnt der Prozess früher oder später von neuem. Die Beschwerden lassen auch häufig durch die Bildung einer Fistel deutlich nach. Eine Fistel ist ein kleines Bläschen im Zahnfleisch durch, das sich tröpfchenweise Eiter entleert. Der Druck im Kiefer lässt zwar nach , aber der Entzündungsherd besteht weiter. Der Entzündungsprozess im Kiefer kann nur gestoppt werden, wenn es gelingt, dass aus dem Zahn keine Keime mehr austreten.
Sollte ich den Zahn nicht lieber direkt entfernen lassen?
Wir sind der Meinung, dass sämtliche Möglichkeiten des Zahnerhalts ausgeschöpft werden sollten. Muss der Zahn dennoch entfernt werden, ist dies natürlich frustrierend und geht für die Patienten mit mehreren Behandlungen einher, die zum Teil privat bezahlt wurden. Der Erhalt des Zahnes durch eine Wurzelspitzenresektion kann leider nicht garantiert werden. Die Entfernung des gesamten Zahnes geht auch mit der Entfernung sämtlichen darin befindlichen Keime einher. Die Erfolgsquoten durch Implantate sind im Vergleich zur Wurzelspitzenresektion deutlich höher, da zum Zeitpunkt der Implantation kein Entzündungsherd mehr vorliegt. Die Behandlung ist in der Regel jedoch zeit- und kostenintensiver.
Was verursacht eine Entzündung im Zahninneren und wie wird sie behandelt?
Die Ursache einer Entzündung des Zahninneren liegt im Absterben des Zahnnervs und der begleitenden Blutversorgung. Dies geschieht meist durch Karies, ein Trauma wie z. B. einen Unfall oder durch das Beschleifen des Zahnes beim Zahnarzt. Die eindringenden Bakterien durchdringen dann das Wurzelkanalsystem mit seinen kleinen Verästelungen und Querverbindungen, die an der Wurzelspitze besonders zahlreich sind. Dies kann sowohl mit starken Zahnschmerzen als auch völlig unbemerkt geschehen.
Haben die Bakterien das Wurzelkanalsystem durchwandert und verlassen den Zahn an der Wurzelspitze, treffen sie dort auf das Immunsystem. Die körpereigene Abwehr bildet Entzündungsgewebe, um die Infektion einzudämmen. Der Knochen zieht sich dabei vom Entzündungsherd zurück – ein Prozess, der sich nach einiger Zeit im Röntgenbild erkennen lässt. Läuft dieser Vorgang langsam ab, entsteht eine chronische Entzündung mit mäßigen oder gar keinen Beschwerden. Bei einem schnellen Verlauf oder einer geschwächten Immunlage kann sich jedoch die sprichwörtliche „dicke Backe“ bilden oder sogar ein Abszess entstehen.
Die übliche Behandlung bei einer Infektion des Zahnnervs besteht in der Eröffnung des Zahnes, der Erweiterung des Wurzelkanalsystems und dessen sorgfältiger Desinfektion durch den behandelnden Zahnarzt. Was sich logisch und unkompliziert anhört, ist jedoch in einigen Fällen durch starke Krümmungen der Hauptkanäle sowie durch ausgeprägte Verästelungen und Querverbindungen mit den üblichen Methoden nur schwer oder gar nicht möglich. Diese Strukturen sind in der Regel weder beim Blick in den Zahn noch im Röntgenbild zu erkennen. Auch eine nur teilweise Desinfektion führt häufig zu einer vorübergehenden Beschwerdelinderung, sodass dennoch eine Wurzelkanalfüllung und der Verschluss des Zahnes durchgeführt werden.